Jul
30
2014
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Der Palast in Bangkok hat immer offen

Gestern mussten wir auf die deutsche Botschaft, um eine Wohnsitzbescheinigung zu bekommen (was dort 50 Euro kostet, eine Unverschämtheit). Dort trafen wir eine deutsche Familie, die recht frustriert war. Was war passiert?

Grand palace
Die Eltern samt zwei Kinder waren vorgestern in Bangkok angekommen und wollten gestern gleich die obligatorische Tour zum Grand Palace machen. Sie fuhren mit der Bahn zum Pier am Sapan Thaksin, und auf dem Weg zum Boot hielt sie ein Tuktukfahrer an. Er fragte wohin sie möchten und als sie sagten, zum Palast, antwortete er der Palast sei geschlossen. Er könne ihnen aber für wenig Geld ein paar andere Sehenswürdigkeiten zeigen. Die vier Urlauber willigten ein und los ging die Reise. Nach ein paar Tempeln hielten sie an einem Schneiderladen an. Dort, so sagte der Tuktukfahrer, gäbe es Weltmarken zu Sonderpreisen. Armani und so. Papa war ganz ausser sich und orderte nicht nur Anzüge, sondern bezahlte auch im Voraus: 1000 Euro (!). Am nächsten Tag, so der Schneider, würde man die Anzüge ins Hotel bringen. Er überreichte noch die Visitenkarten, und dann ging es zum Mittagessen. “Komisch, dass die hier keine Preise am Menu haben”, wunderte sich Muttern, und nach dem Mahl präsentierte man ihnen eine saftige Rechnung (sie haben mir den Preis nicht gesagt).

Irgendwann dämmerte ihnen, dass 1000 Euro eigentlich viel Geld seien, und sie suchten im Internet nach entsprechenden Stichworten. Schnell zeigte sich, dass sie wohl Betrügern aufgesessen waren. Sie gingen zur Polizei, die sie zur Botschaft schickte – was immer das für einen Sinn haben soll, ausser das in der Regel die Polizei mit den Betrügern unter einer Decke steckt, oder zumindest Zuwendungen für Wegschauen bekommt. (Was merkwürdig ist, ist die Tatsache, dass sie nicht mal abgewartet haben, ob die Anzüge überhaupt geliefert wurden. Sie hatten auch keine Ahnung, wo der Laden eigentlich war, und ob die Visitenkarte wirklich stimmt).

Der Knaller zum Schluss: Beide Eltern arbeiten in Deutschland bei …. wait for it… der POLIZEI.

Was lernen wir:
Erstens: der Palast hat so gut wie NIEMALS geschlossen. Und wer sich nicht sicher ist, fährt trotzdem hin. Wenn die Tür zu ist, und nur dann, ist er geschlossen (was einmal im Jahr vorkommt, wenn überhaupt).

Zweitens: Man lässt sich nicht vorm erstbesten Tuktukfahrer abschleppen. Thais sind freundliche und liebe Menschen, aber wie überall auf der Welt, vor allem wo Touristen sind, wird die Leichtgläubgkeit von Urlaubern auch ausgenutzt. Ich würde grundsätzlich von Tukturfahrten abraten, sie sind teurer als Taxis, weniger sicher, und viele wollen betrügen. Wer es probieren will, soll es in der Innenstadt für eine kurze Strecke (Siam Paragon nach Asok zum Beispiel).

Drittens: Es gibt keine günstigen und guten Schneider in Bangkok. Punkt. Die Stoffe sind alle minderwertig, der Schnitt hat nichts mit dem zu tun, was bei der Anprobe gemessen wurde. Im übrigen unterstützt man damit oft auch Kinderarbeit oder Ausnutzung, weil die Anzüge von Familienmitgliedern über Nacht genäht werden.

Viertens: Ein normales Restaurant hat natürlich Preise auf der Speisenkarte. Billige Gerichte gibt es unter 100 Baht, der Durchschnitt für thailändische Gerichte in Touristengegenden ist 150 Baht. Über 200 Baht ist teuer, und muss schon gutes Fleisch oder Meeresfrüchte sein.

Es lohnt sich immer, nicht nur eine Fantasievorstellung vom Land zu haben, in das man reist, sondern mal nachzuschauen, was einen dort wirklich erwartet. Thailand ist ein Land wie jedes andere, es ist kein Freizeitpark in dem jeder Einwohner ein Angestellter im Tourismus ist. Der Tourismus macht 6 Prozent des BSP aus, ganz so wichtig ist er also nicht.

Natürlich kann man sich heute alles im Internet selbst zusammensuchen, günstige Hotels, Flüge, Touren. Aber manchmal, vor allem bei Touren und Hotels, kann das auch schief gehen. Wer es sich leisten kann, sollte mindestens nicht die billigste Kategorie nehmen (warum ist das wohl billig?). Besser, sicherer und komfortabler, wenn auch etwas teurer ist, mit einem Reiseveranstalter zu buchen. Das geht auch für Einzelreisende, man muss keine Gruppentour buchen. Das örtliche Reisebüro informiert da (hoffentlich) gerne.

Written by thomaswanhoff in: Asien,Thailand,Travel |

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