Apr
25
2014
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Wenn der Muezzin den Urlaub ruiniert

Manchmal ist es einem ja schon peinlich, wenn man Reise-Newsletter sieht und feststellt, dass es Landsleute gibt, die wohl einen gehörigen Schuss haben. “German tourists sue over vacation “ruined by Islamic prayer call” muss ich da lesen, und es geht um ein deutsches Ehepaar, dass sich beim Urlaub in der Türkei, genauer in Doganbey, durch die Gesänge des Priesters gestört fühlte.

Nun weiss ich aus eigener Erfahrung bei Reisen in muslimischen Ländern, dass die Rufe zum Morgengebet gewöhnungsbedürftig sind, aber so wird es Muslimen wohl auch gehen, wenn sie deutsche Kirchenglocken hören.

Es ist aber völlig egal ob das einem gefällt oder nicht: Andere Länder, andere Sitten. Wem das nicht passt soll es so machen wie die meisten Deutschen und brav zu Hause bleiben. Gut ist das dass Gericht den Fall gleich verworfen hat mit der offensichtlichen Begründung, dass das eben so sei in der Türkei.

Schön fand ich das Ende des Artikels:

“Many tourists, both Muslim and non-Muslim alike, come to Muslim countries like Turkey specifically to be enchanted by the mystical and melodious sound of the Adhan, which has been recited throughout the Muslim world for over 1,400 years.”

Eben. Drum.

Written by thomaswanhoff in: Hotels,Naher Osten |
Apr
18
2014
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Die größte Wasserschlacht der Welt: Neujahr in Südostasien

Wenn die Thais im April Neujahr feiern, dann erlebt man dieses sonst eher zurückhaltende und schüchterne Volk von einer anderen Seite: Songkran heisst vier Tage lang feiern, was das Zeug hält. Und zum Feiern gehört Wasser, eine Menge Wasser. Was einst gedacht war als spirituelle Handlung (eine Art Waschung) hat sich im Laufe der Zeit zu einer gigantischen Wasserschlacht entwickelt. Wer in den vier Tagen von Songkran nicht nass werden will, muss zu Hause bleiben – oder im Hotel.
Songkran in Thailand

Aber nicht nur die Thais feiern so: Auch in Laos und Myanmar wird Wasser gespritzt als ob es keine Trockenheit gäbe (was übrigens ein Problem ist, weil es nämlich eine gibt). In Laos ist es Phi Mai (New Year), in Myanmar ist es Thingyan. Und man sagt, in Yangon sind die Wasserschlachten die heftigsten.

Wer in Bangkok feiern will, dem rate ich zu den Feiern an der Central World Shopping Mall. Hier feiern viele Thais, und man hat trotzdem eine tolle Party. Die Kaosan Road ist vor allem für Ausländer, meistens Backpacker, die sturzbetrunken halbnackt durch die Straße laufen. Silom Road ist ebenfalls eine Partyzone, aber ziemlich überlaufen (und in diesem Jahr wohl in Hand der Gay-Community).

In Laos kann mann das Neue Jahr sowohl in Lauang Prabang als auch in Vientiane feiern. Ersteres ist etwas ruhiger und spiritueller, in der Hauptstadt hingegen geht die Post ahn: Beer Lao hat eine eigene Partyzone, und die jungen Laoten haben ihren Spaß auf Pickups durch die Stadt zu fahren und jeden nass zu machen der in den Weg kommt. Am Phi Mai Sonntag gilbt es auch eine Prozession in der Innenstadt, während der nicht gespritzt wird.

People celebrating Lao Phi Mai in Vientiane

People celebrating Lao Phi Mai in Vientiane

Songkran ist übrigens weder eine thailändische Erfindung noch eine aus Laos. Es hat seine Ursprünge in Indien und wurde dann adaptiert. In Kambodscha wird ebenfalls im April gefeiert, und zwar das Wasserfest, aber ohne die Wasserschlachten. Statt dessen gab es dort in der Vergangenheit Bootsrennen am Fluss, nachdem aber vor einigen Jahren eine Massenpanik viele Tote forderte und später Demonstrationen in der Stadt den Rücktritt von Premier Hun Sen forderten, ist das Fest in den vergangenen Jahren abgesagt worden. Statt dessen gehen die Khmer in die Tempel und besuchen die Familie.

Written by thomaswanhoff in: Asien,kambodscha,Thailand |
Apr
04
2014
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Angkor Wat entdecken mit Google Street View

Es ist eher Zufall dass ich Angkor Wat nochmal im Blog habe, aber die News ist einfach zu gut: Das Google Street View Team hat die Tempelanlage online gestellt. Wer möchte kann nun virtuell durch alle Tempel laufen und sich mal ein Bild davon machen, wie grossartig und weitläufig Angkor ist.

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Das Google Maps Team kam bereits 2013 nach Kambodscha und begann dort erfolgreich Phnom Penh zu kartieren. Für Angkor Wat wurden 90.000 Bilder in 360 Grad Ansich gemacht, und zwar von über 100 Tempeln. Das bedeutet, dass auch manche für Touristen geschlossene Tempel dabei sind.

Ich war etwa 12 Mal in Siem Reap und in Angkor, aber ich kann einfach nicht genug davon bekommen. Wer dem Link oben folgt bekommt ein paar direkte Links zu Tempel. Man kann auch einfach Angkor Wat bei Google Maps eingeben und dann Street View Modus einschalten. Aber Achtung: Man kann sich sehr schnell verlaufen. Gut dass der Ausweg nur einen Mausklick weit weg ist (oder einen Tap aufs Touchpad).

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Apr
03
2014
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Waisenhaus-Tourismus: Nein, es hilft nicht Kindern in Kambodscha

Bei ETN ist gerade ein sehr engagierter Artikel über Waisenhaustourismus in Kambodscha erschienen, der sich an einem Bericht der Huffington Post aufhängt. Ich habe zwei Zahlen herausgepickt:

75 Prozent mehr Waisenhäuser
71 Prozent der Waisen haben Eltern

Kids near Siem Reap

In der Tat ist Waisenhaustourismus Big Business. Man tut nichts Gutes. Die Kinder arbeiten quasi als Waisen und müssen oft auch noch in Handarbeit Souvenirs herstellen, was gerne auch als eigenes Business dargestellt wird – nur gehen die Profite nicht an die Kinder.

Kostprobe aus dem Artikel:

Tourists are being bussed to these so-called orphanages in droves thinking they are doing something good when in fact it is more likely to be doing harm. Even Australian Geraldine Cox, supported by Cambodian Prime Minister Hun Sen, the “Queen of Orphanage Tourism” has said that there are many false places with no effective child care policies in-place.

Ein paar Erfahrungen die ich gemacht habe: Kambodschanische Kinder haben sehr wohl schon Weisse gesehen, und sie freuen sich nicht wenn westliche Touristen mal vorbeikommen. Was ich in Waisenhäusern und Schulen am meisten gehört habe war: “Aber Du bist ja nur einen Tag/Woche/Monat hier, dann gehst Du wieder.” Sie lernen auch nicht Englisch an einem Tag, und Fussball können sie auch untereinander spielen – meist besser als wenn übergewichtige Touristen schwitzend dem Ball hinterher rennen.

Volonturism hilft dem Gewissen der Touristen und den Bankkonten derer die es organisieren, aber nicht den Projekten vor Ort. Dann bitte zu Hause bleiben und dem Projekt den Reisepreis inklusive Flug überweisen (nicht aber einem Waisenhaus, bitte).

Huff Post Autor Adam Pervez (er nennt sich auch noch Professional Volonturist, was an sich schon eine Frechheit ist), scheint nicht wirklich eine Ahnung zu haben wie man hier in der Dritten Welt lebt, wenn er rät:

For those seeking to minimize their impact on the environment, use public transportation in cities and buses or trains to reach new destinations. Bring a water bottle with you and fill it with clean water wherever possible to avoid buying bottled water. You can also buy carbon offsets to mitigate your environmental impact for the miles you will travel. You will also get to walk a mile in local shoes, which often leads to incredible experiences.

Erstmal ist ein moderner Minivan mit neuester EU-Norm wesentlich umweltfreundlicher als die uralten Busse, und vor allem ist er auch sicherer. Die Straßen hier sind sehr gefährlich und in einem Fahrzeug ohne Sicherheitsgurt zu sitzen zeugt von Selbstmordabsicht. Das Auffüllen von Wasserflaschen ist eine Glaubensfrage und nicht wirklich überall möglich – ich habe das bisher nur in Thailand gesehen.

Volkommen albern ist aber das:

Shop or eat at a multinational chain and your impact is much less than shopping and eating at small, family-run stores and restaurants

Der Unterschied ist nämlich, dass Angestellte in den “multinational chains” erstmal überhaupt ein Gehalt bekommen, und in der Regel auch über dem Mindestlohn. Sie haben in der Regel auch genügend Zeit, nebenbei zu studieren und bekommen oft auch eine Sozialversicherung (ich habe mit Angestellten zum Beispiel von Pizza-Company genau darüber gesprochen). Ein Familienbetrieb bedeutet oft genug Ausbeutung, eben kein eigenes Gehalt, keine Sozialversicherung und keine Kontrolle über Arbeitszeiten. Aber es ist ja soooo authentisch von einem 12jährigen nachts um 1 Uhr noch eine Nudelsuppe für einen Dollar zu bekommen (man stelle sich vor welchen Anteil er davon bekommt).

Ich meine damit mitnichten dass wir mehr McDonalds und Co brauchen, sondern würde es gerne sehen wenn die kleinen Familienbetriebe endlich wenigstens die eigenen Gesetze und Bestimmungen einhalten würden.

Noch ein paar Links zum Thema Orphanage Tourism:

http://www.theguardian.com/world/2014/jan/02/cambodia-child-protection-workers-call-for-end-to-booming-orphanage-tourism

Hier gibt es noch gute Bilder von den Invasionen der Gutmenschen:

http://www.thomascristofoletti.com/portfolios/the-boom-of-the-orphanage-tourism-in-cambodia/

Und schliesslich muss man der Huff Post zu Gute halten, dass sie auch anders kann:

http://www.huffingtonpost.com/daniela-papi/cambodia-orphanages-_b_2164385.html

Written by thomaswanhoff in: Asien,kambodscha |

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